BDS-Literaturpreisträger 1999: Max Kruse
Max Kruses Kinderbücher haben besonders in den sechziger und siebziger
Jahren ihre Wirkung entfaltet. Generationen von Kindern und Erwachsenen wurden
und werden von den Sendungen der Augsburger Puppenkiste und den in ihrer
Text-Bild-Komposition unprätentiösen und dadurch stark wirkenden
Buchausgaben fasziniert.
Urmel aus dem Eis und Der Löwe ist los sind
nur zwei der Motive, die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eine glückvolle
Schau nach innen demonstrierten. Eine Schau, die sich stets dem Mikrokosmos
persönlicher Beziehungen widmet und den Wert des Einzelnen und Individuellen
erschließt.
Waren nach 1945 Kollektivität, kulturelle Gleichschaltung
und Uniformierung zunächst die Diskussionspunkte, an denen deutsche Kultur
sich widersprechen und weiterentwickeln sollte, so bieten Max Kruses liebenswürdige
Protagonisten einen vitalen Rückgriff auf die Ideale und das Menschenbild
der Aufklärung.
Der Autor zeigt das fehlerhafte Individuum, dessen Stärke es ist, sich
zu seiner Schwäche zu bekennen, dessen soziales Verdienst es ist, seine
Individualität gerade im Widerspruch zur Gesellschaft zu leben.
Es ist
also nicht nur die reiche Bilderwelt Max Kruses, die eine starke Anziehung über
das Zielpublikum hinaus entfaltet, es ist das ihr hinterlegte natürliche
Lebenskonzept, das eine ganze Generation verinnerlicht und mitgeprägt
hat. Eindringlich vermittelt Max Kruse das Ethos der Gewaltlosigkeit in der
Konfliktlösung, den Reichtum und den gesellschaftlichen Gewinn
der Individualität und die Dringlichkeit beständiger sozialer,
auch außerfamiliärer Beziehungen.
Max Kruse hat die Kinder- und
Jugendbuchkultur der Bundesrepublik Deutschland entscheidend geprägt
und bereichert. Er hat sich zudem Verdienste um die Entwicklung und bildhaft-eindringliche
Darstellung pädagogisch wertvoller
Leitgedanken erworben, die bis heute in die Gesellschaft ausstrahlen. Der
Literaturpreis des Bundes Deutscher Schriftsteller BDS würdigt diese
noch zuwenig beachteten Verdienste.